Newsletter im April: Marmelade und Intuition

Veröffentlicht am 29. 5. 2018 von Dr. Vanessa Giese

Als ich im März in Italien war, habe ich das wunderbare Buch von Mariana Leky gelesen: Was man von hier aus sehen kann. Ein Satz aus der Geschichte hat mich besonders begleitet: "Man kann sich die Abenteuer, für die man gemacht ist, nicht immer aussuchen." Dieser Satz hat auch etwas mit unserer Arbeit zu tun.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie gehen einkaufen. Auf Ihrem Einkaufszettel steht: "Marmelade". 

  1. Im ersten Supermarkt befindet sich eine ganze Regalwand voller Marmelade, mit und ohne Kerne, püriert und stückig, Fruchtaufstrich und Gelee, von preiswert bis unerhört teuer, darunter allein elf Sorten Erdbeermarmelade. 
  2. Im zweiten Supermarkt gibt es drei Sorten Marmelade. 

Wo können Sie sich leichter entscheiden?

Die Wissenschaftlerin Sheena Iyengar und ihr Kollege Mark Lepper haben untersucht: Je überschauberer eine Situation für uns ist, desto einfacher können wir eine Entscheidung treffen. Anders herum: Je größer die Anzahl unserer Möglichkeiten, desto schwieriger ist es für uns, Entschlüsse zu fassen. Denn eine Entscheidung aus 25 Marmeladensorten bedeutet 24 verpasste Chancen. 

Meist geht eine große Auswahl mit einer unklaren Informationslage einher. Unsere Zeit ist außerdem knapp, und wir fühlen emotionalen Druck (Ihr Partner/Ihre Partnerin ist extrem sensibel in der Marmeladenauswahl, Sie können nur das Falsche mitbringen). 

Je schwieriger eine Entscheidung, desto wichtiger wird das Bauchgefühl

Wie oft stehen wir im Beruf vor Situationen, bei denen wir das Gefühl haben, die Materie nicht komplett zu durchdringen? Bei denen wir aber Handlungsdruck haben? In denen wir uns hilflos fühlen?

In solchen Situationen brauchen wir Vertrauen. In uns selbst und unser Bauchgefühl. Und in die Menschen, die Kollegen, Mitarbeiterinnen, Dienstleister oder Freunde, die mit der Materie befasst sind. Doch was bedeutet Vertrauen genau?

Wer vertraut, kontrolliert nicht

Vertrauen ist die Abwesenheit von Kontrolle. Wer vertraut, kontrolliert nicht. Keine anderen Menschen; und er hat auch nicht die Kontrolle über die Situation. Wer vertraut, ist nicht Herr der Lage - und trotzdem gelassen. Denn er vertraut sich selbst und dass er imstande sind, das Richtige zu tun. 

Suchen Sie sich Menschen, die in sich stimmig sind

Um Vertrauen in uns selbst und für schwierige Entscheidungen zu trainieren, hilft es, sich Menschen zu suchen, die zwei Eigenschaften haben:

  • die eins mit sich sind, die konsistent und in sich stimmig handeln. Und:
  • an denen wir uns reiben können.

Menschen, die uns auf Augenhöhe begegnen, eine feste Bank für uns sind und uns Orientierung geben - auch in der Meinungsverschiedenheit -, helfen uns, uns abzugrenzen, uns kennenzulernen, uns selbst zu hinterfragen und unserem Bauchgefühl zu vertrauen. Die Auseinandersetzung mit ihnen schärft unser Gefühl für unsere eigene Wahrnehmung - und damit für unsere Intuition: unsere unbewusste Kompetenz, das Richtige zu tun.  

Indem wir uns für unsere beruflichen Aufgaben ein Umfeld von Menschen schaffen, die konsistent handeln und mit denen wir einen konstruktiven Dissenz pflegen können, professionalisieren wir unsere Intuition und machen uns fit dafür, komplexe Entscheidungen zu treffen. 

Wir können uns die Abenteuer, für die wir gemacht sind, nicht immer aussuchen. Wir können uns nur selbst vertrauen, dass wir die Herausforderungen, die uns begegnen, aushalten und meistern werden. 

Das Hörstück zum Thema

Vertrauen, Zutrauen, Selbstvertrauen
Wie wir Erfolg und Misserfolg interpretieren sollten, damit wir daran wachsen; was hilft, Vertrauen aufzubauen; und warum man niemals aufgeben sollte zu vertrauen - darüber rede ich mit Christian de Vries in der aktuellen Folge von Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch. Ein Podcast, den Sie über iTunesSoundcloudPodigee und als RSS-Feed (mp3aac) hören können.

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