Das macht eine innovative Führungskraft aus

Veröffentlicht am 28. 2. 2017 von Dr. Vanessa Giese

Der Chef sitzt oben und gibt Anweisungen. So war es schon immer, so hat es sich bewährt – und so wird es in vielen Unternehmen gelebt. Ohne seine Führung ist das Unternehmen nicht handlungsfähig. Wirklich?

Fest steht: Führung hat sich gewandelt.

Führung ist dirigieren. Nicht befehlen.

Moderne, agile Führungskonzepte setzen nicht mehr auf Befehl und Gehorsam. Denn wo blindes Folgen gefragt ist, hört das selbstständige Denken auf: Es gibt keine neuen Ideen, das Unternehmen entwickelt sich nicht aus sich selbst heraus.

Entwicklung aber ist notwendig, um in einer komplexen Umwelt zu bestehen. Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement stehen Kommunikation und Vertrauen im Mittelpunkt. Die Personalführung richtet sich nach den Stärken und Begabungen des Teams aus und setzt die Menschen so ein, dass sie das Meiste bewirken und Motivation aus ihrem Tun und ihrem Erfolg ziehen.

Eine gute Führungskraft ist dabei wie ein guter Trainer, der eine Mannschaft zum Erfolg bringt – und je nach Herausforderung entsprechend zusammenstellt.

Die Konsequenz: Die Führung gibt Verantwortung ab. Sie ist für das Zusammenspiel verantwortlich, nicht für die Tore.

Entlastung von einsamen Entscheidungen

Für klassische Unternehmensführer klingt das beängstigend – nach Chaos und Kontrollverlust. Andere machen lassen, während man selbst nur zusieht?

Moderne Führung bedeutet nicht automatisch, andere entscheiden zu lassen. Sie entlastet lediglich von dem Druck, alleine entscheiden zu müssen.

Bezieht eine Führungskraft andere in ihre Entscheidungen ein, hat sie mehr Luft zum Atmen – und Kraft für neue Herausforderungen.

Je komplexer die Umwelt, desto wichtiger ist Agilität

Denn Herausforderungen gibt es zahlreiche: Das Umfeld für Unternehmen wird immer komplexer. Allein die technologische Entwicklung und die Internationalisierung stellen eine riesige Herausforderung dar. Auch sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen und die Schwierigkeiten, Fachkräfte zu halten, wirken massiv auf Unternehmen ein.

Übersteigt die Komplexität des Umfelds irgendwann die Kompetenzen eines Unternehmens, kann es nicht mehr erfolgreich reagieren. Die Folge im schlimmsten Fall: Insolvenz.

Je unberechenbarer, ungewisser, komplexer und ambivalenter die Umwelt ist, desto hilfreicher ist es deshalb, Verantwortung zu teilen, Teamarbeit zu fördern, loszulassen und Experimente zu fördern.

Das machen innovative Führungskräfte  anders

Welche Werte also vertreten innovative Führungskräfte?

  • Sie akzeptieren den Machtverlust: Der Markt verändert sich stetig und mit zunehmender Geschwindigkeit. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fordern mehr Transparenz und Mitbestimmung. Loslassen und gleichzeitig einen Rahmen vorgeben – das ist die Kunst innovativen Führens.
  • Sie organisieren Zusammenarbeit. Gute Vorgesetzte sind längst nicht mehr die besten Fachleute. Sie sind die besten Trainer. Sie organisieren die Zusammenarbeit in der Firma – und sorgen so dafür, dass Teams Großartiges vollbringen.
  • Sie unterstützen ihre Teams. Gute Vorgesetzte coachen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sorgen für eine gute Kommunikation. Sie unterstützen ihr Personal in ihrer Entwicklung. Denn nur wenn sich die Belegschaft entwickelt, entwickelt sich auch das Unternehmen.
  • Sie setzen auf Können statt auf Wissen. Wissen ist mittlerweile überall zugänglich – Problemlösungen sind es nicht. Deshalb setzen gute Führungskräfte auf Teammitglieder, die ihr Wissen anwenden können und es selbstständig weiterentwickeln.
  • Sie halten Spannungen aus.Heterogene Teams sind erfolgreicher als homogene. Denn je homogener eine Gruppe ist, desto größer ist der Druck der Anpassung auf ihre Mitglieder. Gute Führungskräfte fördern deshalb Diversität – auch wenn sie anstrengend ist. Denn sie macht ihr Unternehmen wettbewerbsfähiger.
  • Sie lassen Fehler zu. Fehler sind Teil des Lern- und Arbeitsprozesses und passieren. Gute Vorgesetzte geben selbst Schwächen und Fehler zu – und erlauben ihren Mitarbeiter*innen zu irren. Nur, wenn es eine gesunde Fehlerkultur gibt, entsteht eine Atmosphäre, die Ideen wachsen lässt.
  • Sie können umschalten. Gute Chefs können ihren Führungsstil auf die Situation und die Person anpassen. Sie wissen, wann es eine Positionsmacht braucht – und wann sie Experimente zulassen können. Sie wissen außerdem, welche Teammitglieder fähig und motiviert sind, eine aktivere Rollen einzunehmen – und welche davon überfordert sind.
  • Sie haben Partner. Führung hat immer zwei Seiten: die Unternehmensführung und die Personalführung. Das Unternehmen entwickeln und sich gleichzeitig aufs Personal konzentrieren – das ist allerdings fast unmöglich. Gute Entscheider arbeiten deshalb auch in der Führungsmannschaft im Team und verteilen die Führungsrollen gemäß ihren Stärken.
  • Sie haben Freude am Führen. Gute Vorgesetzte sehen das Führen nicht als Last. Sie haben Freude an der Arbeit mit Menschen und Freude an der Verantwortung. Das merken die Mitarbeiter*innen – und das fördert ihre Motivation.

Ein Sprichwort besagt: „Der Kunde ist König.“ Doch nur mit zufriedenen Mitarbeiter*innen, haben Sie auch zufrieden Kundinnen und Kunden.

*Lesetipps

Hofert, Svenja: Agiler führen. Einfache Maßnahmen für bessere Teamarbeit, mehr Leistung und höhere Kreativität. Wiesbaden, Gabler 2016. ISBN: 978-3-658-12756-5

Petry, Thorsten (Hrsg.): Digital Leadership. Erfolgreiches Führen in Zeiten der Digital Economy. Freiburg, Haufe-Lexware 2016. ISBN: 978-3-648-08057-3

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